Hausarbeit im Hauptseminar Diesseits-Jenseits-Kodierung in der Literatur

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  2. Das Genre: Cyberpunk
  3. Der Autor - Jeff Noon
  4.1. Inhalt
  4.2. Erzählform, Struktur und Sprache
  4.3. Einordnung ins Genre
  5.1. „Wirkliche Welt“
  5.2. Vurt als virtuelle Realität
  5.3. Mythos
  5.4. Logos
  5.6. Raum
  5.5. Zeit
  6.1. Mensch/Maschine
  6.2 „Reine“/ „Hybriden“
  6.3. Körperlichkeit/Entkörperlichung
  7.1 Realität
  7.2 Identität
  8. Fazit: Vurt als erstrebenswertes Jenseits?
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2. Das Genre: Cyberpunk

Als Ursprungswerk des Cyberpunks gilt William Gibsons 1983 erschienener Roman Neuromancer. Hervorgegangen ist das Genre aus der Science-Fiction-Literatur. Mit den gesellschaftlichen, politischen, ökonomischen und nicht zuletzt technischen Veränderungen in den achtziger Jahren – die Regierung Reagans in den USA, die verstärkte Globalisierung und das Auftauchen großer Firmen als global players und im Bereich der Technik die Entwicklung der Silizium-Technologie, um nur einige Beispiele zu nennen - veränderte sich auch diese Literaturgattung, um einerseits Kritik an diesem Wandel auszudrücken und andererseits die neuen technologischen Möglichkeiten in die Geschichten mit einzubeziehen (vgl. BUTTLER 2000, 12f). Philip K. Dicks Roman Do Androids Dream of Electric Sheep? sowie dessen Verfilmung Blade Runner gelten als direkte Vorläufer des Genres (aaO, 11).
Die Einflüsse des Cyberpunks liegen aber nicht nur im Science-Fiction. Von den Hard-boiled detective stories Dashiell Hammets und Raymond Chandlers wie auch aus den film noir der vierziger Jahre übernahmen die Autoren die düstere Grundstimmung, die dunklen, abweisenden Handlungsorte sowie die Klischees der femme fatale und eines mächtigen Mannes, der hinter den Kulissen die Fäden zieht (vgl. aaO, 13f, CAVALLERO 2000, 8ff). Ebenso zeigen sich Anklänge an die traditionelle Literatur der abenteuerlichen Suche (Quest), wie auch dystopische Ideen (CAVALLERO 2000, 8ff). Die Ablehnung des Körpers als „Fleisch“ sowie die Frage nach der Glaubwürdigkeit der Realität übernahmen Cyberpunk-Autoren von den Schriftstellern der Postmoderne, hier besonders W.S. Burroughs. (aaO und BUTTLER 2000, 13). Cavallero setzt den Cyberpunk dazu noch in Verbindung zur gotischen Literatur, da beiden Genres die Themen der Transzendenz, der Veränderung des menschlichen Körpers und der psychologischen Folgen gemeinsam seien (vgl. CAVALLERO 2000, xx und 164-214).
Cyberpunk beschäftigt sich mit der Rolle der Gesellschaft in einer technologisierten Welt, mit dem durch die Kybernetik revolutioniertem Verhältnis zwischen Mensch und Maschine. So spielen Cyborgs als Verbindung technologischer und organischer Elemente eine zentrale Rolle in Cyberpunk-Romanen, genauso wie die durch Biotechnologie gebotenen Möglichkeiten zur Veränderung des menschlichen Körpers. Die übergeordnete Frage dabei ist, welche Aspekte der Menschlichkeit uns menschlich machen, Schlüsselbegriffe sind Identität und Realität (vgl. aaO, 11-18). Dabei verdeutlicht Cyberpunk die Ambivalenz zwischen der Transzendenz des Körpers durch einen dominierenden Geist in den abstrakten Datenwelten des Cyberspace einerseits (aaO, 35f) und einer betonten Körperlichkeit andererseits.
Die Autoren schaffen die Verbindung zwischen der Kybernetik - dem Cyberspace als Organisation abstrakter Daten - und Punk. Punk steht hier als Metapher für Entwurzelung und Entfremdung von der Gesellschaft wie auch für eine bewusste Veränderung des Selbst, eine absichtliche Abgrenzung (aaO, 19f). Die Protagonisten der Cyberpunk-Romane entstammen so zumeist den Randschichten der Gesellschaft, sind Arbeitslose, Drogenkonsumenten, nicht in die herrschende Ordnung integriert.
Bedeutende Autoren und Werke sind neben William Gibsons Neuromancer-Triologie zum Beispiel Bruce Sterlings Christal Express (1989) und Schismatrix (1985), Pat Cadigans Tea From An Epmty Cup (1989), Rudy Ruckers Wetware – Software - Freeware Trilogie (1982 – 1997) oder auch Neal Stephensons Snow Crash (1992) (vgl. BUTTLER 2000).
War Cyberpunk zunächst ein amerikanisches Genre, griffen in den Neunzigern auch europäische Autoren, besonders in Großbritannien, die genannten Themen auf. Das Ende des Genres wird meistens auf 1994 festgelegt, laut einigen Autoren ist allerdings bereits nach der 1986 erschienenen Anthologie Mirrorshades: The Cyberpunk Anthology bzw. nach dem Auftauchen des Steam Punk kein neuer Cyberpunk-Text mehr veröffentlicht worden (vgl. BUTTLER 2000, 15ff).



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